Kind und Karriere – kein Hindernis

Dies ist zumindest für Norwegen richtig. Die meisten Mütter in Norwegen arbeiten Vollzeit. Viele sind gar in Führungspositionen. Hier stellt sich nicht die Frage „Kind oder Karriere“. Seit 2011 liegt Norwegen bei der Geburtenrate an der Spitze. Rechnerisch sind das 1,95 Kinder pro Frau. In Deutschland sind das nur 1,38. Auch die Anzahl der Frauen in Führungspositionen ist in Norwegen einer der Höchsten. Dies kann aber nur mit einer fortschrittlichen Familienpolitik funktionieren. Das Herzstück hierzu ist in Norwegen die gut organisierte öffentliche Kinderbetreuung. Für jedes Kind gibt es einen Kindergartenplatz. Bereits 2008 besuchten in Norwegen 87 % aller Kinder zwischen 1 und 5 Jahren einen Kindergarten. Die Tendenz ist steigend. Die Eltern zahlen hier nur maximal 300 Euro für die Betreuung. Den Rest übernimmt in Norwegen der Staat. Staatliche Kindergärten sind bis 16:30 geöffnet, private oftmals sogar noch länger. So hat auch eine Alleinerziehende die Möglichkeit in Vollzeit zu arbeiten.

Kind und Kindergarten

Ein Beispiel verdeutlicht, wie dies funktioniert. Sophia ein kleines norwegisches Mädchen besucht seit sie 10 Monate alt ist ganztags einen Kindergarten. Ihre Mutter Emilia schrieb während der einjährigen Elternzeit ihre Masterarbeit im Bereich Sicherheitsmanagement. Nachdem Sophia in den Kindergarten kam, kehrte Emilia in Vollzeit in ihren Job als Management-Assistentin zurück. Fragt man Emilia, ob sie zwischen Kind und Karriere hin und hergerissen ist, erntet man nur einen verständnislosen Blick. Emilia kann sich wie viele Frauen in Norwegen ein Leben nur als Hausfrau nicht vorstellen. Sie sagt: Frauen wollen unabhängig sein und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun. In ihrer Nachbarschaft wächst der Trend zum 4. Kind. Dies hat in Norwegen auch was mit dem Status zu tun, denn wenn eine Frau 4 Kinder hat und arbeitet, dann ist sie eine starke Frau.

Der Mann von Emilia arbeitet in seinem Job bis 16 Uhr, dann holt er abwechseln mit seiner Frau Sophia vom Kindergarten. Ist er mit seiner Arbeit nicht fertig, dann arbeitet er von zu Hause aus weiter – oftmals per Videokonferenz. Dabei hat er oft die kleine Sophia auf dem Schoß. Keiner seiner Kunden sieht ihn dafür schräg an, denn Kinder gehören zum Leben.

Ist Sophia mal krank, dann bleibt er oder seine Frau zu Hause. Jedes Elternteil bekommt hier vom Unternehmen 10 Tage pro Jahr frei. Die Kosten dafür übernimmt der Staat.

Und nach dem Kindergarten?

In Norwegen gibt es neben dem Recht auf einen Kindergartenplatz für jedes Schulkind bis 10 Jahren einen Hortplatz. Möchte das Kind nicht in den Hort, dann hat ein Elternteil das Recht auf Teilzeitarbeit. Nimmt man dieses Recht in Anspruch, dann setzt man nicht wie in Deutschland seine Beförderung aufs Spiel. Auch wenn ein Mann wegen der Kinder früher Feierabend macht, dann heißt das nicht automatisch, die Arbeit ist dem Mann unwichtig. Als engagierter Vater ist man sogar deutlich besser angesehen.

Wann ändert sich hier was in Deutschland?

Wenn man das so liest, dann fragt man sich zwangsläufig, wann tut sich in dieser Richtung etwas in Deutschland. Heute wird man oftmals noch schief angesehen, wenn man sich als Frau um einen Job bewirbt. Oft heißt es und was ist mit den Kindern. Man redet der Frau das schlechte Gewissen mehr oder weniger ein. Die Politiker sollten hier endlich aufwachen und es unseren Nachbarn in Norwegen gleich tun.